Feierliche Namensgebung des Adolf-Reichwein-Hauses

Veranstaltungen

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Marcus, Herr Prof. Nr. Fix, Herr Bürgermeister Seigfried, Frau Renate Martin-Reichwein, sehr geehrte Damen und Herren, herzlichen Dank für die Einladung zur feierlichen Namensgebung des Studentenwohnheimes des Studentenwerkes „Weiße Rose“.

Ich bin aus zwei Gründen gerne zu Ihnen gekommen:

  • Einmal weil bis vor kurzem meine zwei Töchter hier an der PH Ludwigsburg studiert haben
  • und weil Ihr großes Studentenwohnheim mit über 220 Einzelzimmern auf 11 Stockwerken den Namen eines großen und unvergessenen Sozialdemokraten erhalten wird.

Ein Studentenwohnheim dient in erster Linie Unterbringung von jungen Menschen.

Da kommt es darauf an, ob dieses gut erreichbar ist, Platz für die Bedürfnisse der Studenten bietet, eine angenehme Wohngemeinschaft besteht und die Zimmer noch günstig in der Miete sind.
Das Studentenwohnheim „Weiße Rose“ bietet dies in Ludwigsburg.
Wie aber schon der verpflichtende Name des Studentenwerkes selbst, „Weiße Rose“, zu erkennen gibt, geht es jedoch um mehr als Wohnraum.

Es geht auch um Kultur und Bildung und ihre politische Einordnung.
Gerade von Adolf Reichwein stammt der Satz „Alle Kulturarbeit ist heute politisches Handeln“.

Daher ist der Name des Studentenwohnheims bereits Programm.
Adolf Reichwein, der Reformpädagoge, Kämpfer für die Volksbildung seiner Zeit und der aufrechte Demokrat, Mitglied des Kreisauer Kreises verbindet diesen Anspruch in einer Person.

Wenn ich mir die Bildungsdiskussionen der letzten Jahre im Landtag vor Augen führe, sind Forderungen von Adolf Reichwein aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg wie „Projektunterricht“, „forschendes Lernen“, „politische Bildung als Prinzip“ höchst aktuell.

Es ist natürlich heute müßig darüber zu spekulieren, was wäre gewesen, wenn Adolf Reichwein wirklich nach dem Krieg Bundesminister für Bildung und Kultur geworden wäre, wie das der Kreisauer Kreis offenbar plante.
Mit Sicherheit wäre die Bildungspolitik in Deutschland anders verlaufen. Zumindest hätte sich die sog. „Rohrstockpädagogik“, die ihm so verhasst war, nach dem 2. Weltkrieg nicht noch so lange gehalten.

Adolf Reichwein trat erst gegen Ende der Weimarer Republik, als mancher Demokrat schon resignierte, demonstrativ in die SPD ein. Heute würde man sagen, er war ein demokratischer Sozialist.

Damit setzte er ein Zeichen für die Demokratie. Er war auch konsequent bis zu seinem Tod am 20. Oktober 1944, als ihn die Nazis nach einem Schauprozess gegen Mitglieder des Kreisauer Kreises hinrichteten.
„In der Entscheidung gibt es keine Umwege“, so sein Lebensmotto. Ein Satz, der uns heute noch – gerade in der Politik – als Beispiel dienen sollte.

Ich wünsche Ihnen, auch im Namen der SPD-Landtagsfraktion, alles Gute mit dem neuen Adolf-Reichwein-Haus.

Herzlichen Dank an alle, die sich darin und von der Verwaltung um einen guten Wohnraum für unsere Studentinnen und Studenten bemühen.
Wir werden Sie dabei unterstützen. Vor allem in Ihrer Forderung, dass privat organisierte Studentenwerke in Baden-Württemberg mit den staatlichen gleichgestellt werden, vor allem, wenn es um die Zuschüsse geht.

Nichts wäre schöner, wenn nach der Feier hier und wenn die Tochter von Adolf Reichwein die Gedenktafel enthüllt hat, der Geist ihres Vaters in das Studentenwohnheim Einzug hält.

 
 

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Schenken heißt, einem Anderen das geben, was man selber behalten möchte.
[Selma Lagerlöf (1858-1940), schwedische Erzählerin, Literaturnobelpreisträgerin 1909]

 

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